„Eisblume“
(Elektrophon Musik/ www.eisblume.net)
Eisblume ist ein sehr gefühlvolles Einfrauprojekt, in dem man Einflüsse von Tori Amos, The Cure und Björk deutlich erkennen kann, allerdings ohne eine bloße Kopie derer Stile zu sein. Die Grundstimmung des Albums ist sehr verträumt, über allem schwebend und tendentiell melancholisch, was sich auch in den Texten widerspiegelt:
„Sorrowed Heart Of Sadness“ ist solch ein Kandidat, der im ersten Moment durch seine poppigen Beats fröhlich wirkt und es doch nicht ist. Wirksam eingesetzt sind hierbei auch die eingespielten Chöre, die allesamt von Eisblume selbst eingesungen wurden und vermehrt auf dem Album zu finden sind, wie beispielsweise auch bei „Mine“, einer sanften Nummer bestehend aus fragilem Gesang, dezenten Gitarren und hellen Keyboardflächen, die als zusätzliche stimmliche Akzentuierung Echoeffekte enthält, was allefalls Spielerei ist, dann auf Effekte bauen muss die ausgebildete Sängerin ganz und gar nicht, wie der variable Einsatz ihrer Stimme immer wieder aufs Neue beweist. Sowohl gesanglich als auch kompositorisch fällt der sozialkritische, aber nicht-autobiographische, Song „Allein“ aus dem Rahmen, in dem Eisblume in die Rolle eines kleinen Kindes fällt und mit entrückt überharmonischer Spieluhrenmusik als Begleitung in simplen Worten darstellt wie Misshandlung ein Kind traumatisiert. Der kunstvolle Umgang mit Beobachtungen sowie aus dem Bauch heraus gefühlte und umgesetzte Stücke machen das Album zu einem sehr schönen Erlebnis. Annemarie Boehnisch